Seit 1973
Früher Motto.
Heute THELL.
1973 eröffnet Franz Thell das Motto. Ein Treffpunkt für Künstler, Nachtschwärmer und das queere Wien. Seit 2023 trägt das Haus seinen Namen. Das ist unsere Geschichte.

1973
Franz Thell eröffnet das Motto.
Schönbrunner Straße 30, Eingang Rüdigergasse. 1973 sperrt Franz Thell hier ein Lokal auf und nennt es Motto. Wien ist damals eine andere Stadt: konservativer, enger, mit wenig Platz für Menschen, die anders sind.
Das Motto macht diesen Platz. Aus dem Beisl wird ein Treffpunkt für Künstler, Kreative, Nachtschwärmer und die queere Szene — ein offener Ort in einer Zeit, in der Offenheit noch keine Selbstverständlichkeit war.
Queeres Wien
Eine Bühne für alle, die eine gebraucht haben.
Das Motto war nie nur ein Restaurant. Es war Wohnzimmer für Weltoffene, Bühne für Künstler und sicherer Hafen für das queere Wien. Helmut Berger und Rudolf Nurejew saßen hier, Helmut Lang trug Teller, bevor er Mode machte, und zeigte im Lokal seine ersten Kollektionen. Die ORF-Dokumentation „Wiener Zeitgeist“ nennt das Motto in einem Atemzug mit dem U4 und der Arena — als einen der Orte, an denen die Wiener Subkultur der Achtziger zu Hause war.
Zwanzig Jahre lang hat das Haus den Life Ball unterstützt. Diese Offenheit ist keine Fußnote der Hausgeschichte, sie ist das Fundament. Ein Lokal, das jeden Abend zur Bühne macht, kennt keine Berührungsängste. Und will auch keine.
1989–1990
Eine Institution.
1989 muss das Motto vorübergehend schließen. 1990 übernimmt Bernd Schlacher das Lokal und macht daraus eine Wiener Institution — und den Ausgangspunkt der späteren Motto Group. Franz Thell bleibt dem Haus treu. Nicht als Wirt, sondern als der Mann, der dem Lokal seit dem ersten Tag sein Gesicht gibt: ein großartiger Gastgeber, bekannt für seine Großzügigkeit und seine üppigen Blumendekorationen.
Seit 2011
Tom Sampl übernimmt.
2011 übernimmt Tom Sampl die Betriebsleitung des Stammhauses. Ab hier gehen die Rüdigergasse und die Motto Group getrennte Wege, 2013 wird er Eigentümer. Franz Thell bleibt dem Haus bis zuletzt treu: Er hilft beim Blumenschmuck, bringt dem Neuen bei, was ein Haus wie dieses braucht — und hinterlässt ihm sein Blumenmesser. Franz Thell stirbt 2013. Den Blumenschmuck im Thell macht Tom Sampl seither selbst. Mit demselben Messer.
Im Sommer 2015 wird das Lokal von Grund auf renoviert — gemeinsam mit Laura Karasinski und Gerd Zehetner. Für Karasinski wird es eines ihrer ersten großen Interior-Projekte: Neun Monate Planung gehen voraus, mit der Suche nach alten Fotos, Gästebüchern und ehemaligen Mitarbeitern, die noch wussten, wie das Haus früher ausgesehen hat. Grüner Samt, Marmor, Messing: Die historischen Elemente bleiben, der Rest wird zeitgemäß. Ein Haus, das seine Vergangenheit nicht abreißt, sondern poliert.
© Götz Schrage
Aus Motto wird Thell.
Zum fünfzigsten Geburtstag bekommt das Haus mit 1. Jänner 2023 einen neuen Namen, und der kommt nicht aus einer Agentur-Präsentation: Thell — nach Franz Thell, dem Gründer, dem Mann auf dem Porträt im Restaurant.
Ein Haus, das fünfzig Jahre Geschichte trägt, braucht keinen erfundenen Markennamen. Es braucht einen mit Gesicht. Und ein klares Zeichen, dass es seinen eigenen Weg geht.
Verkauft wurde dabei nichts, und übernommen hat auch niemand. Tom Sampl führt das Haus seit 2011 und ist seit 2013 Eigentümer. Von da an ging die Rüdigergasse ihren eigenen Weg, getrennt von der Motto Group. Der Name 2023 war der letzte Schritt: Unabhängig war das Haus schon lange. Jetzt heißt es auch so.
Margareten
Eingang: Rüdigergasse.
Die Adresse lautet Schönbrunner Straße 30. Hinein kommt man über die Rüdigergasse — Margareten macht es einem nicht kompliziert, nur interessant.
Der fünfte Bezirk steht in keinem Reiseführer ganz vorn. Genau deshalb funktioniert er für lange Abende: Man kommt wegen der Küche, bleibt wegen der Bar und geht heim, wenn der Bezirk längst schläft.
Die Fenster geben nichts preis, und die Tür findet, wer sie kennt. Genau deshalb sitzen hier seit den Siebzigern Gäste, deren Gesichter man kennt, und genau deshalb lässt sie hier jeder in Ruhe — damals wie heute. Wer im Thell isst, isst privat. Wer, sagen wir nicht.
Heute
Ein Restaurant für Abende, die nicht beim Dessert enden.
Heute ist das Thell beides in einem Haus: Restaurant und Bar, 170 Plätze, grüner Samt, Marmor und Messing, das Restaurant Hinten unter Pflanzen und im Sommer der Garten.
Auf der Karte steht Wiener Weltküche: Wiener Klassiker neben Tellern, die sich was trauen. Die Karte schreibt Tom Sampl gemeinsam mit seinem langjährigen Küchenteam — saisonal, regional, mit Partnern im Einkauf, die das Haus seit Jahren kennen. Bei Feiern und im Advent wird aus dem Dinner gern eine ganze Nacht. Freitag und Samstag legt ein DJ auf. Und die Schinkenfleckerl sind geblieben — manche Dinge rührt man nicht an.
Das Essen war hier immer schon die schönste Nebensache der Welt. Im Thell geht es um gesellige Abende: gemeinsam essen, feiern, flirten, genießen. Seit 1973.
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